Aus dem Tagebuch einer Quereinsteigerin – Traumberuf Hochzeitsplaner

Hallo zusammen, mein Name ist Anna. Ich bin Hochzeitsplanerin in der Schweiz. Aber das war nicht immer so. Ich möchte meinen Werdegang mit anderen Querseinsteigern teilen. Es war zwar ein schwieriger und langer Weg aber ich bereue keine Minute davon. Ich habe die richtige Entscheidung getroffen und freue mich auf Erfahrungsberichte eurerseits. Meine Kontaktdaten findet ihr am Ende des Beitrags.

Viel Spass. Eure Anna.

Weitere Fotos meines Brautshootings mit Ladies & Lord findet ihr in diesem Beitrag.

Der spannendste Teil meines Lebensveränderung begann eigentlich da, als ich tief im Herzen spürte, dass ich mit meinem Vollzeitjob unzufrieden war. Die Liste der Gründe war sehr lang.

Das Leben muss doch noch viel mehr für mich parat haben als diesen Bürotisch, den unmotivierten Alltagstrott, das stundenlange Pendeln, die langweilige Arbeit usw usw

Allerdings traf ich auch Menschen, die jeden Tag neu bestimmen konnten, wann sie aufstehen und wo sie heute arbeiten wollen. Mein bestes Beispiel: meine Mama – Ergotherapeutin mit mittlerweile zwei Festangestellten und eigener Praxis. Sie hat es geschafft ihr Hobby zum Beruf zu machen. Sie ist mein Vorbild.

Traumberuf Hochzeitsplaner – Wie alles begann

Anfang 2017 besuchte ich den Motivationstag in München. So viele Menschen sind bei Minusgraden mit mir in der Schlange vor der Halle angestanden. Der Tag hat einiges in mir ausgelöst. Die Menschen, die auf der Bühne vor tausend Zuschauern standen, haben mich mitgerissen, haben mein Herz auflachen lassen. Ich hatte den Eindruck, dass sie ganz genau wussten, was sie können, wie sie ihre Talente einsetzen können, um somit Geld zu verdienen. Aber was sind meine Talente überhaupt? In einem war ich mir an diesem Tag sicher: es muss sich was ändern – und zwar ganz bald.

So fingen die Gedanken an zu kreisen – der Wunsch wurde immer grösser.

Unsere Hochzeit im Juni 2017 stand an und war bis dato mein «Licht im dunklen, langen Alltagstunnel». Das was DAS Thema, das mir Spass machte, stundenlang Abends vor dem Notebook zu verbringen und sich tausend Musterkarten von den Onlineshops bestellen zu lassen. Mein Schatzi damit zu nerven, was ihm nun besser gefallen würde. Tagsüber konnte ich dann auch all meine Kollegen damit auf die Nerven gehen.

Sobald die Frage kam: «Na, Anna, wie geht’s voran mit deiner Hochzeitsplanung?» sprudelte ich nur so über. Ich hatte so viel zu erzählen, dass wir das Gespräch dann bei einem langen Kaffee in der Cafeteria fortführen mussten, um die Kollegen nicht so sehr zu stören. Meine Hochzeit und die Vorbereitung hielt mich auf Trapp – an den Wochenenden wurden mögliche Lokalitäten, dessen Vor- und Nachteile, heiss diskutiert, wen sollen wir alles aus der Verwandtschaft einladen, und so vieles mehr. Ich überredete Schatzi verschiedene Hochzeitsmessen und Events zusammen zu besuchen (ich weiss was ihr denkt: der Arme) – naja, mit Essen und Bier als Lockmittel ging das gut. Zumindest bekam ich es nicht vorgeworfen, ihn mitgeschleppt zu haben.

Tja, alles ist nun organisiert – Gästeliste, Dienstleister, Lokalität, Programm. Wirklich alles. Ich bin parat. Bis sich eines Abends mein Mann öffnet und mir sein Leid klagt. Er hatte das Wochenende bei seinen Eltern verbracht. Irgendwas beschäftigt ihn, das spüre ich. Er will mit mir durchbrennen! Nur wir zwei am Strand, barfuss, alleine, unkompliziert. Hui – das war mir neu. Ich beziehe ihn doch in alles ein und somit auch meine Gedanken und Pläne. Ich höre ihm erst mal zu.

Hawaii stellt er sich vor – schon ziemlich weit weg von uns. Moment – 12  (!!) Stunden Zeitunterschied! Am anderen Ende der Welt. Naja – wieso eigentlich nicht. Hawaii stand schon immer auf meiner Top 10-Reiseliste. Hawaii – mei, das klingt so toll. Ich kenne bis dato niemanden unserer Bekannten oder Verwandten, die schon dort waren. Das Paradies auf Erden. Schauen wir ob das überhaupt möglich ist.

Heiraten auf Hawaii?

Hawaii also – schon ziemlich weit weg von uns. Am anderen Ende der Welt. Naja – wieso eigentlich nicht. Hawaii stand schon immer auf meiner Top10-Reiseliste. Hawaii – mei, das klingt so toll. Ich kannte bis dato niemanden unserer Bekannten oder Verwandten, die schon dort waren. Das Paradies auf Erden. Schauen wir ob das überhaupt möglich ist.

Somit rief ich unser Reisebüro an. Was kostet denn so ein Flug nach Hawaii über San Francisco? Und die Hotels? Hui – sehr, sehr teuer. Kann man dort auch heiraten? Ich wollte einfach nur mal so fragen, um mein inneres Ich hinterher bestätigen zu können, dass es eh nicht möglich sei, unbezahlbar sei, viiiiieeel zu aufwändig sei, schon allein das lange Sitzen im Flieger, und wenn dann Hawaii, ja dann bitte mindestens 3 Wochen Aufenthalt – dürfen wir überhaupt so lange Ferien beziehen bei unseren Arbeitgebern?

Zum ersten Mal nahm ich das Wort «durchbrennen» in den Mund. Ich und durchbrennen?! Ja, das ist meine wilde Seite. Es gibt sie tatsächlich – zu Teenagerzeiten sehr aktiv und ausgelebt – mit Mitte 20 eher eingeschlafen. Ha – wir sind weder langweilig noch konservativ – warum also nicht?!

Gesagt, gebucht. Auf nach Hawaii!

Arabelle von Hawaii Lei Hochzeit die vor Jahren nach Maui ausgewandert ist, betreut auf Maui deutschsprachige Brautpaare. Ich schrieb ihr von unserem Vorhaben mit der Bitte ein Angebot zu senden. Es war bezahlbar. Schatzi, lass uns durchbrennen!

Dann kam das Angebot vom Reisebüro. Schatzi wollte natürlich nur die 5 Sterne Resorts, mindestens mit Strandblick vom Zimmer aus, Frühstück inkludiert, Pool und Fitnessraum. Pro Insel natürlich ein Mietauto – und und und? Die Gesamtsumme haute uns dann doch aus den Socken.

Erst mal eine Nacht drüber schlafen. Können wir uns das wirklich leisten? Wollen wir das auch wirklich? Können wir das unseren Eltern antun?  Zusammen haben wir beide Elternteile besucht und zaghaft ihnen unsere neusten Pläne erklärt. Soweit so gut. Es klappt – wir machen es und bekommen sogar noch finanzielle Unterstützung, damit wir uns unseren Traum auf Hawaii leisten können.

Die innere Unzufriedenheit gepaart mit Unruhen im Büro sorgten für langanhaltende Rückenschmerzen, die einfach nicht mehr weg gingen. Bis sich Anfang Mai eine Nierenbeckenentzündung daraus entwickelt hatte. Ich war K.O. und komplett ausgeknockt. Ich hatte mich und meine Gesundheit bist auf das letzte herausgefordert und die Warnzeichen nicht wahrhaben wollen. Keine schöne Zeit, wo es gerade anfing draussen wärmer und schöner zu werden. Ich, die ewige Heldin, lag mehrere Wochen flach. Na vielen Dank auch! Und das 4 (!) Wochen vor Abflug.

Tja – somit hatte ich auf einmal Zeit, mich mit mir auseinander zu setzen. Soll ich vor der Hochzeit wirklich den Job aufgeben und kündigen? Wie käme das bei den Kollegen an? Was würden sie sagen? Die Reise und das anschliessende Fest würde uns schon noch viel Geld kosten, also entschloss ich schweren Herzens zu bleiben.

Unsere Zeit auf Hawaii war unbeschreiblich paradiesisch! Unsere Abenteuer dort erzähl ich euch nächstes Mal. Das würde sonst den Rahmen sprengen. 3 Wochen Hawaii ist ein absoluter Traum. Kann ich nur wirklich empfehlen.

100% ig glücklich war ich nicht, dass wir das Paradies schliesslich verlassen mussten. Zurück in unsere Jobs, zurück in das Unglück. Wie kann Arabelle einfach so auswandern und mit Hochzeitsplanung Geld verdienen? Na gut – sie lebt im Paradies, ja. Wieso kann ich das nicht? Wir haben auch alles hier. Gibt es überhaupt Jobs als Hochzeitsplaner? Ausser „Froonk“ kannte ich niemanden, der damit Geld verdiente.

Wird man irgendwo angestellt, zum Beispiel bei einer super tollen Lokalität an einer super tollen Lage? Ich durchforstete noch vor der Reise das Internet und fand, schwuppdiwupp, einen 6-monatigen Lehrgang vom VUSH – Verband unabhängiger Schweizer Hochzeitsplaner zur zertifizierten Hochzeitsplanerin. Die Inhalte hörten sich sehr spannend an. Jeden Samstag in einer anderen Lokalität und Schweizer Dienstleister aus allen Branchen kennenlernen. Mir liegt das im Blut. Das genau bin ich. Ich liebe es unterwegs zu sein, neue Orte kennenzulernen, spannende Menschen zu treffen.

Also gut – ich rede mit Schatzi. Ich unterschrieb den Vertrag von Ende Oktober 2017 bis März 2018 den Lehrgang zu besuchen und leistete die Anzahlung.

Die Lage im Büro spitzt sich zu. Nach langen, tränenreichen Gesprächen mit Schatzi und meinen Eltern fasse ich den Entschluss und gebe meine Kündigung ab. Endlich – ein Befreiungsschlag! Ich fühle mich grossartig und doch bin sehr traurig meine geliebten Kollegen verlassen zu müssen.

Endlich raus aus dem Büroalltag und rein ins Leben.

Erst mal den Schlafmangel der letzten Jahre aufholen. Ich spüre, wie ich wieder auftaue, fröhlicher, positiver und energiereicher wurde. Und JA – es ist verdammt aufregend nicht zu wissen, wie es danach weitergeht. Was soll schon passieren?!

Ein Job ist immer noch nicht in Sicht. Und somit keine gesicherte, monatliche Einnahmequelle. Mist! So ist das nicht geplant. Wirklich nicht. Dank den Ersparnisse schaffe ich es über die Runden zu kommen. Ohne meinen Mann und seineUnterstützung wäre ich wahrscheinlich noch länger angestellt geblieben.

Weiterbildung zum Hochzeitsplaner in der Schweiz

Der Lehrgang startet und ich bin zu 110% dabei. Es macht so viel Spass – ich habe so viel zu erzählen und erlebe so viel. Gleichzeitig habe ich die Möglichkeit von November bis Dezember 2017 einen «Kurs zur Selbstständigkeit» zu besuchen. Ziel ist es, innerhalb 3 Wochen einen Business Plan zu schreiben. Es ist toll unter Gleichgesinnten zu sein. Alle in dem Raum haben vor, sich selbstständig machen und sehr gute Ideen sind in den Gesprächen für mich dabei entstanden. Ich habe einen geregelten Ablauf, muss früh aufstehen. Ich habe eine Aufgabe und fühle mich rundum wohl.

Ja, meine Geschäftsidee mich als Hochzeitsplanerin selbstständig zu machen wird immer konkreter. Wir lernen, wie man Buchhaltung führen muss, was sind die Rechte, wie komme ich an potenzielle Kunden, wie verkaufe ich meine Dienstleistung richtig, wie finde ich Personal, was sind die nächsten Schritte – ich sage nur: Finanzplan, Absatzplan und Budgetplan. Spannend! Ich gehe voll und ganz darin auf. Der Business Plan wurde ich einer kurzen Nacht geschrieben. Das Beurteilungsgespräch mit dem Rechtsanwalt und der Unternehmensberaterin, verlief gut. Los geht’s!

Jeden Samstagabend freue ich mich auf den kommenden Samstag. Ich komme rum in der ganzen Schweiz. All die Lokalitäten und Orte muss ich im Sommer nochmals besuchen, wenn alles blüht und Schatzi mit dabei ist. Ich lerne viele neue Kolleginnen (tatsächlich sind es alles Frauen im Kurs) und wir verstehen uns blendend.

Gleichzeitig zum Lehrgang lerne ich Claudia kennen. Sie ist Hochzeitsfotografin aus Österreich und neu in der Schweiz. Wir sind quasi beide Neulinge am Markt. Ich in der Branche und sie geografisch. Claudia ermöglicht mir auf diesem Blog meine Erfahrungen mit anderen Quereinsteigern zu teilen und jedem, der seine Träume verfolgen will, Mut zu geben diese auch zu verwirklichen. Sie eine wundervolle, starke Frau, die sehr viel redet. Sie gibt mir die Kraft an mich selbst zu glauben und dass ich gut genug bin für alle meine Vorhaben. Gemeinsam erarbeiten wir für mich ein Konzept sowie einen Webauftritt. Mit ihr kann ich all die Themen besprechen, über die ich mit Schatzi nicht reden kann. Jeder Mann hat eine bestimmte Schmerzgrenze, wenn es um Brautkleider, Blumenschmuck und die Farbe der Deko geht und meiner hat diese Grenze vor Monaten schon überschritten.

Zweifel? Doch wieder in das sichere Angestelltendasein?

Der Druck von aussen steigt. Meine Freunde fragen: «Na, hast du nun einen Job gefunden?» oder «Hast schon Aufträge erhalten, um all das zu finanzieren?». Nein und nein. Ich bin unglaublich dankbar für die Zeit, die ich jetzt habe, mich voll und ganz auf meine Selbstständigkeit zu konzentrieren. Fokussieren ist das Zauberwort. Wenn nicht jetzt, wann dann. Ich will es nicht nur versuchen, sondern auch schaffen. Ich konzentriere mich auf die Gründe, weshalb ich es schaffen kann. Seit meinem Austritt sind viele gute Dinge passiert, die mich immer wieder bestätigen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Ich muss aber auch ehrlich sein. So positiv, wie das hier alles klingt ist es nicht. Nein, wirklich nicht. Nach Aussen gebe ich mich stark. Abends, im Bett, laufen öfters mal die Tränen. Die finanziellen Sorgen fressen mich innerlich auf. Trotz des kleinen Betrags vom RAV muss ich meine Ersparnisse angreifen. Es ist hart, all die Rechnungsbeträge im Kopf zu überschlagen und zu wissen, dass das Konto gleich wieder gegen Null sein wird. Auch ohne Zuschuss meiner Eltern wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.

Meine Freunde und Bekannte bewundern mich, glaube ich, «wie ich das so mache». Ans Aufhören denken, kommt nicht in Frage.

Nächstes Mal erzähle ich euch von meinen ersten Erlebnissen im VUSH Hochzeitsplaner Lehrgang. Wer mir schreiben will erreicht mich via Email.

Instagram @annaluxe.weddings

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