Das war die Milano Bridal Week 2019

Nach einer recht mühsamen Anreise von Zürich mit dem Auto (durch den unvorhergesehen Schneefall letzten Donnerstag waren sowohl der San Bernadino wie auch Gotthard Pass gesperrt und ein langer Rückstau hat sich bis in die frühen Morgenstunden von Freitag gebildet. Nach einem starken Cappuccino bin ich aber startklar. Kaum bei der Metrostation empor gekommen, begrüsst mich auch das erste Plakat. Die Beschilderung lässt aber von diesem Zeitpunkt rapide nach und ich muss zwei Mal nach dem Weg fragen. Schliesslich lande ich am Empfang wo man eine Flughafen ähnliche Security durchgehen muss.

Auf der Suche nach dem Press Office von dem auch scheinbar keiner weiss, wo es ist, komme ich aber an vielen schönen Ständen vorbei, was mich sofort in eine bessere Stimmung versetzt. Ich bin jetzt richtig aufgeregt, denn nach der grossen Enttäuschung, die die London Fashion Week war, freue ich mich umso mehr auf die nächsten 3 Tage in Milano. Und wie sich bald herausstellen wird, sollte ich nicht enttäuscht werden! Juhu. Einer der ersten Stände, der mir ins Auge fällt ist von Enzo Miccio. Ein instagrammable Traum aus Puderrosa und Grau.

Im  ELLE Corner tummeln sich viele Influencer, Beauty & Fashion Blogger und echte Journalisten ;) Es ist einer der schönsten Präsentationen und alle ELLE Publikationen sind zur freien Entnahme aufgebaut.

Mein JOb in den nächsten 3 Tagen ist es  als Brand Ambassador diverse Brautmodenhersteller zu besuchen und sie zu interviewen.

Sonderausstellung ICONS by Francesco Scognamiglio Couturier der Stars.

Auf den Bridal Fashion Weeks gibt es aber nicht nur Modenschauen. Natürlich sind das die Highlights aber diese Bridal Weeks sind ja eigentlich für die Bridal Buyers da also für Brautmodeninhaber, die auf Einkaufstour sind. Ich habe am Tag 2 Fine Dress Inhaberin Karin Krizek aus Wien begleitet und ihren Input zu regionalen Vorlieben erfragt.

Es gibt so viele wunderschöne Kleider, die mir persönlich unglaublich gut gefallen aber ich kann so extravagante Designs in Wien nicht verkaufen. Wiener Bräute bevorzugen den klassischen Look. Auch wenn sie mit Trends liebäugeln und auch Pinterest Boards voll innovativer Brautmode mitbringen, letztendlich kaufen sie den Klassiker. Nicht zu gewagt, nicht zu sexy. Traditionell.

Brautmode in der Schweiz

Den Schweizer Markt habe ich auch in dieser Art kennengelernt. Eher konservative Mode, nicht zu dramatisch. Man will nicht auffallen. Wenn wir mit diversen Händlern darüber sprechen, schmunzeln sie immer ein wenig und meinen: Ah Austria, Switzerland. Very small and a bit difficult. Tja, dass es nicht einfach ist, das Modeverhalten einer ganzen Nation zu verändern ist mir schon bewusst aber ich will mit meinem kleinen Blog einfach nur zeigen, was es da draussen alles gibt und es gibt wirklich fantastische Designs. In den kommenden Wochen, wenn die PR Packs meiner Top Favoriten eintrudeln, werde ich alles neu entdeckte mit euch teilen.

Backstage mit den Models

Immer wieder ein Spass in den Backstage Bereich zu gehen, wo ein Wirrwarr und Chaos herrscht.

Extravagante und märchenhafte Brautkleider von Emiliano Bengasi

Ich hatte die Ehre den Maestro persönlich kennenzulernen. Emiliano Bengasi’s Brautkleider sind unbeschreiblich. So over the top das sie in keine Kategorie fallen. Ich finde es toll, dass es so bombastische und ausgefallene Roben gibt auch wenn ich mir inEuropa keine Braut vorstellen kann, die so etwas tragen würde. Aber sein prunkvoller Stand war belagert von asiatischen und arabischen Einkäufern also ich denke der Markt dafür ist vorhanden.

Brand Ambassador für Si Sposa Italia Collezioni

Weiter geht’s mit meinen Ambassador Pflichten. Ein Besuch bei Louise Sposa einer Marke, die ich bisher nicht kannte. Kein Wunder denn es handelt sich hierbei um einen Wholesaler – einem Grossverkäufer. Im Laden sind viele Italiener anzufinden nicht so wie bei manch anderen Anbietern mit richtig pompösen Brautkleidern wo sich hauptsächlich Asiaten und arabische Einkäufer drängeln. Es ist sehr spannend den Brautmodenmarkt auch aus einer komplett anderen Perspektive zu erleben. Hier wird hart verhandelt und die Kleider an den Models begutachtet. Viele Einkäufer haben auch keine Scheu den Stand der Dinge an den Models zu überprüfen, was ich ehrlich gesagt etwas respektlos finde. Nur weil die Damen schweigend Kleider vorführen, heisst das noch lange nicht, dass man sie wie Barbie Puppen begrapschen darf. Just saying!

Männermode ist natürlich auch vertreten aber bei weitem nicht so viel. Ich besuche Lebole Uomo. Das Familienunternehmen stammt aus  Castiglion Fibocchi im Herzen der Toskana in der Provinz Arezzo.

Galizia Sposa ist noch ein mir bisher unbekanntes Label, auch ein Familienunternehmen, das 1981 gegründet wurde und seitdem in über 200 Geschäften weltweit von Italien, Spanien, Portugal, Libanon über USA und bis nach Japan und China geführt wird. Die Kleider sind für mich auf den ersten Blick nichts aussergewöhnliches. Das Preisleistungsverhältnis passt. Ich habe das Gefühl, dass es sich hier um eine Brand handelt, die eher auf Masse als auf Design aus ist. Das ist für ein Business auch gerechtfertigt bloss ist es nicht etwas worauf ich mich konzentrieren will.

Le spose die Gio kennt man auch bei uns und die klassischen Designs sind nach wie vor gefragt. Man muss sich vorstellen wie erfolgreich gewisse Modelle von vor fast 6 Jahren sind, das deren Plakate noch immer aktiv für die Bewerbung verwendet werden.

Das Team rund um libanesische Designerin Gemy Maalouf ist super sympathisch und wir verbringen fast eine Stunde mit ihnen. Die Kollektion wird in eine Couture Linie und in eine kleinere und leistbarere Brautlinie geteilt. Die Couture Linie hat es mir aber angetan. Fantasievolle Schnitte und Stoffe kommen hier zum Einsatz. Freut euch auf mehr Design aus dem Libanon. Coming up!

Was mir auf der Milano Bridal Week 2019 vorallem auffällt ist, dass es wenige ausländische Designer gibt. In London und Barcelona treffen sich Brautlabels aus aller Welt aber hier ist vorwiegend italienisches Design anzufinden. Umso mehr freut es mich die russische Modistin Evgenia Krasnova anzutreffen. Ich selber liebe ja Hüte und Headpieces wie ihr wisst und bin von der Massenware immer abgeschreckt. Ich will kein Plastikglitzerzeug auf meinem Kopf tragen ;) und Evgenia’s Kunstwerke haben mich total begeistert. Natürlich ist das nicht alltagstauglich aber für eine extravagante Braut ist es ein Eyecatcher sondergleichen.

Sadoni aus Norwegen.

Rara Avis aus Weissrussland deren 2019 Kollektion ich bereits auf dem Blog vorgestellt habe.

Und dann sind da natürlich die Catwalk Shows. Manche besser manche schlechter aber alle unpüntklich haha ja das ist Italien.

Modenschauen auf der Milano Bridal Week 2019

Am meisten freute ich mich auf die 1st row Einladung in Zuge des Ambassador Programms. Welcher Fashion Blogger will das nicht? Der berühmte White Carpet am Eröffnungstag war leider die grösste Enttäuschung des gesamten Wochenendes. Total unbeeindruckend und lieblos gestaltet. Stellt euch mal vor euer Catwalk ist eine Spiegelartige Oberfläche. Und jetzt stellt euch vor da rennen den ganzen Tag Models drüber. Würdet ihr diesen Catwalk am Abend für eine im TV übertragene Sendung putzen? Das ist die Millionenfrage!?! Scheinbar hat das niemanden gestört aber ich fand es einfach nur unprofessionell und störend im Bild. Ich habe keine Fotos gemacht. So sieht Claudia Protest aus ;)

Der 2. und 3. Tag schien besser zu laufen. Die Modenschau von Amelia Casablanca war eindeutig ein Highlight und die am besten choreografierte Show. Sizilianische Musik, dramtische Kleider im Sissi Look und viele Ahs und Ohs im Publikum. Natürlich ist das nicht jedermann’s Geschmack aber was für eine tolle Show!!!

Auch bei Julia Kontogruni ging es bombastisch zu. Die Models mussten alle einzeln über den Catwalk schreiten. Zwei dieser gigantischen Kleider hätten bloss zu einem Brautkleidstau auf dem Laufsteg geführt.

So, das war’s für’s erste. Ich melde mich ausführlicher mit den aktuellen Brautkollektionen sobald sie mir zugeschickt werden. Ich sag euch nur eines: FANTASTICO! Für einige Kleider lohnt es sich eine Reise in Kauf zu nehmen.

Ciao tutti! Wir sehen uns in Barcelona.

 

No Comments Yet

Comments are closed